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Erster Mai

Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.
Der Erste Mai fiel dieses Jahr auf einen Dienstag, also konnte man aus ihm ein langes Wochenende machen. Für die bude ist der Fall dann klar: raus aus der Stadt, auf’s Land, und zwar mit dem Rad. Soviel zum Angenehmen. Das Nützliche ergab sich im sächsischen Spansberg. Dort hat Enrico, Bobs Schwager in Spee, den Gasthof „Zum Wilden Bär“. Und in dessen Biergarten sollte es am Ersten Mai einen schönen Frühschoppen geben, wobei zum zusätzlichen Bierausschank noch zusätzliche Arbeitskräfte nötig waren. Enrico wollten wir sowieso schon längst mal behilflich sein und bei Bierzapfen fühlen wir uns nun so garnicht Fehl am Platz.

Das lange Wochenende startete nach verspätetem Ladenschluss in Karlshorst. Moargus lud in den Sachsengarten zur Gartenbarsaisoneröffnung. Dort vielen wir irgendwann nachts um und krabbelten in unsere Schlafsäcke. Am Sonntag ging es mit Sack und Pack zu Mad und Linda an den Wolziger See. Von Wolzig aus wollten Frö, Bob und ich uns dann am Montag auf die lange Strecke bis nach Sachsen machen.

Mit Vorfreude bestiegen wir am Montagmittag unsere Räder. Der erste Teil durch die endlosen märkischen Kieferwälder wurden recht fix abgespult. Dann hingen wir einen kleinen Schlänker in den Unterspreewald an. Schön war es dort. Viel grüner Wald, Seen und Kanäle. Eine erste Pause nach etwa 50 Kilometern. Ein erstes Bier, dazu frische, saftige Senfgurken und für jeden ein Gurkenlikör.

Und weiter durch den Unterspreewald, ehe wir bei Lübbenau westwärts abbogen in die Niederlausitz. In der Tagebaufolgelandschaft verfuhren wir uns reichlich. Ab hier wurde aus dem Angehnehmen irgendetwas Etwas-weniger-Angenehmes. Bereits über 100 Kilometer in den Beinen, noch über 50 sollten es sein. Zweite Pause in Sonnenwalde an der Tanke.

Der Rest waren Durchhalten, Hunger, Müdigkeit, auch Schmerzen. Nach über 160 Kilometern erreichten wir um 22:00 im dunkeln den Wilden Bär, Andrea empfing uns freundlich, wir konnten noch duschen und essen, Bierchen trinken. Und dann ab ins Bett – denn am nächsten Tag sollte es ja Frühschoppen geben. Und das müsse noch vorbereitet werden und die Gäste sind hier auch sehr pünktlich und dann gleich sehr durstig. Und so soll es gewesen sein. Um 10 Uhr am morgen war der Biergarten voll.

Frühschoppen im Wilden Bär von 10 bis 14 Uhr war angekündigt. Also musste die örtliche Bevölkerung die knappe Zeit gut nutzen.
Frö und ich standen auf den zusätzlichen Bierwagen und haben zusammen mit Enrico Maibock und Helles vom Fass gezapft, während Bob den Springer gemacht hat. Die geliehende Zapfanlage lief schlecht, alle Einstellungsversuche schlugen fehl, das Bier schäumte mehr als es floss. Doch wir bekamen den Dreh raus und die Gäste genug. Um 14 Uhr waren alle, von jung bis alt, gut besoffen, die Blasmusikkapelle war schon abgerückt und um halb drei war der Spuck vorbei.

Natürlich gönnten wir uns auch immer mal wieder den ein oder anderen Schluck Bier – vom Fassanschluss um halb 10 bis zum Bierbänkewegräumen am Nachmittag. Nach getaner Arbeit gabs noch ein Paar Johannisbeerschnäpse und Pfeffi, ehe wir wieder unsere Stahlrösser sattelten um die 20 Kilometer nach Elsterwerder zum Bahnhof zu fahren; in die Dämmerung des warmen Sommerabends auf leergefegten Straßen.